Max Mustermann
Max Mustermann
Eine Studie über den modernen Staatsbürger
Herr Mustermann ist ein moderner Staatsbürger. Er ist stets korrekt – politisch korrekt – und ist bei allen beliebt. Nur das Beste hört man über Herrn Mustermann, der mit Vornamen Max heißt.
Max wohnt in Musterhausen, ist 35 Jahre alt und arbeitet als leitender Angestellter einer Verwaltungsbehörde. Er lebt allein, hat aber eine langjährige Freundin. Da beide jedoch Wert auf ihre persönlichen Freiheiten und Unabhängigkeit legen, leben sie noch immer in getrennten Haushalten. Kinder und Familie kommen für sie nicht in Frage: Zu teuer, zu aufwendig, die große Verantwortung und nicht zuletzt auch die Unmöglichkeit, sich selbst zu verwirklichen – individuell zu sein.
Dennoch hat Max einen großen Freundeskreis: Allabendlich verbringt Max gute zwei Stunden damit, über soziale Netzwerke alle seine fast 500 Freunde online zu treffen; und zum Schluss twittert er noch seine wohlweislich überlegte und formulierte Weisheit des Tages in die Welt.
Max ist sehr gebildet – er informiert sich immer und überall über alles. Und bei der Wahl seiner Informationsquellen ist Max überaus kritisch: Er achtet sehr genau darauf, dass seine Quellen staatlich zertifizierte und anerkannte Medien sind. Schließlich sind diese mit seinen Gebühren finanziert und daher verpflichtet nur den besten und qualitativ hochwertigsten Journalismus zu liefern. Die alternativen Medien meidet Max nachdrücklich – denn sie bieten nichts anderes als Plattformen für Fake-News sowie Hass und Hetze – damit möchte Max nichts zu tun haben.
Max denkt viel über sich und die Welt nach – und ist dabei äußerst selbstkritisch: Noch bevor er ein Wort sagt, ordnet er säuberlich seine Gedanken und hinterfragt sich, ob er nicht etwas Unkorrektes sagen würde. Und damit auch ja nichts schiefgeht, beginnt und endet alles, was Max sagt, mit einer Relativierung, in der er ausdrücklich betont, dass es „nur seine persönliche Meinung sei“, er „keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebe“, dass er „sich vielleicht auch irre“ oder er „natürlich nicht alle meine“. Seine liebste Sprachform für die Worte dazwischen ist der Konjunktiv – spätestens damit hat er sich in die Gefilde des Korrekten gerettet, denn alles was Max sagt, „könne“, „würde“ und „sollte“ ja nur sein. Von problematischen Themen hält Max sich sowieso ganz fern: Dankenswerterweise weiß er ja durch die Qualitätsmedien genau Bescheid, welche Themen im Moment am kritischsten sind – und schweigt dazu.
Max ist Demokrat. Überzeugter Demokrat. Ein korrekter Demokrat. Er legt großen Wert auf seine Grundrechte, obwohl er das Grundgesetz nie gelesen hat. Und ob das Grungesetz nun Grundgesetz ist, oder eine Verfassung, oder beides: Das ist ihm einerlei. Aber er weiß dafür ganz genau, daß er in einer freiheitlichen Demokratie lebt – und jeder, der diese Demokratie, in welcher Weise auch immer, potenziell gefährden könnte, muss sofort aufgehalten werden – mit allen Mitteln. Da kennt Max nichts: Wehret den Anfängen!
Deswegen hat Max auch einen sehr hohen moralischen Anspruch selbst in kleinen Dingen: Nichts darf undemokratisch sein – keine Toleranz für Diskriminierung, Hass, Hetze und Demokratiefeindlichkeit. Und weil die Demokratie, auf welche Max so stolz ist, durch die Regierung repräsentiert wird, geht er auch keine Kompromisse ein, wenn es heißt, zur Wahl zu schreiten. Für einen guten Demokrat ist das Wählen eine Heilige Pflicht! Und damit nicht obskure Oppositionsparteien die Regierung gefährden können, welche ja unsere Demokratie verteidigt, wählt Max die Regierungspartei. Denn die hat längst bewiesen, wie ernst ihr Demokratie, Freiheit und Menschenrechte sind.
Max war zum Beispiel hellauf begeistert, als endlich all die undemokratischen, rassistischen und diskriminierenden Sprachverwahrlosungen aus dem Verkehr gezogen wurden: Dass es zum Beispiel nicht mehr den rassistischen Negerkuss gibt, der jetzt viel angenehmer Schokoschaumkuss heißt. Oder dass es nicht mehr ein rassistisches Zigeunerschnitzel gibt, sondern ein lecker klingendes Schnitzel in Paprikasoße. Jawohl: Weg mit den alten Zöpfen! Das war ja kaum noch auszuhalten, meint Max und stampft auf den Boden.
Max wohnt in einem Haus mit 10 Familien – dass er, sein Nachbar und die beiden Familien im Stockwerk unter ihm die einzigen Deutschen sind, stört ihn nicht – ganz im Gegenteil: Er ist stolz darauf, in einer multikulturellen Umgebung zu leben. Sicherlich: Wenn es mal laut wird, oder die strengen Kochdünste einer fremdländischen Küche das Haus erfüllen, kann Multikulti schon mal nervig sein – aber alles hat seinen Preis, denkt sich Max. Ohnehin gibt es kaum einen toleranteren Menschen als Max. Solange er seine Ruhe hat, lässt er diese auch anderen – da kennt er nichts! Als er zum Beispiel von mehreren Nachbarn für seine Sitte, an Heilig Abend von Tür zu Tür zu gehen und „frohe Weihnachten“ zu wünschen, schief angeguckt wurde, machte Max sich an die Recherche – und schämte sich schlagartig für seine Verfehlung in Grund und Boden: Seine Nachbarn waren ja keine Christen! Also verlegte sich Max darauf ein „schönes Lichterfest“ zu wünschen und war überglücklich, als die Nachbarn darauf mit einem herzlichen „Dankeschön – ihnen auch“ antworteten. Ja – Max ist schon ein vorbildlicher, toleranter und freiheitlich gesinnter Bürger.
Mit Religion hat Max ohnehin nichts am Hut: Dieses ganze antike Christen-Gedöns ist ihm ohnehin schon seit jeher suspekt. Gott und so...Bibel…das ist Firlefanz und nur für geistig unterbelichtete, die nicht wissen, wohin mit sich selbst. Aber ein paar schöne Sachen haben die Christen schon zu bieten: Die tollen Kirchen und Feiern! Gerne erinnert sich Max an die Taufe seinen Neffen Thomas – feierlich mit Orgelklängen in der örtlichen Gemeindekirche. Das war schon beeindruckend! Und auch das Weihnachts- und Osterfest sind nette Gepflogenheiten, die das Jahr bereichern. Aber was da nun religionstechnisch dahintersteckt – das spielt eigentlich keine Rolle. Und aus Weihnachten ein Lichtfest, und aus Ostern ein Frühlingsfest zu machen ist doch eigentlich ganz vernünftig. Weg mit den alten Zöpfen! Für Max ist das Gehen mit der Zeit Erste Bürgerpflicht!
Auch im Kampf der Geschlechter kennt Max keine Gnade: Längst war es überfällig, daß auch hier unsere Sprache endlich einmal zu einer modernen, demokratischen und freiheitlichen Grammatik und Wortschöpfung findet: Das Barbarendeutsch der letzten Jahrhunderte war für Max ein Alptraum. Aber damit ist endlich Schluss: Jetzt gibt es für jeden Beruf eine korrekte männliche, weibliche und diverse Bezeichnung und Schreibweise. Die Diskussion um die sonstigen oder diversen Geschlechter war für Max ohnehin längst überfällig: Denn schließlich gehört die freie Wahl des Geschlechts zu den Grundrechten eines Menschen, der in einer freiheitlichen Demokratie lebt. Und über all jene verblendeten, konservativen und rechten Wissenschaftler, die mit Feuereifer die Zwei-Geschlechterlehre verteidigen, kann Max nur den Kopf schütteln – ihnen würde er am liebsten Redeverbot erteilen und die akademischen Titel entziehen. Denn wie kompetent kann ein Wissenschaftler schon sein, wenn er nicht mit den Erkenntnissen der modernen Zeit zurechtkommt? Noch besser wäre es allerdings, diese Leugner einer modernen Zeit direkt einzusperren - damit sie ihre wirren, überalterten Theorien nicht dazu missbrauchen, um junge Menschen zum Aufruhr zu verführen!
Max ist korrekt. Politisch korrekt. Und deswegen würde er am liebsten einmal aufräumen: Aufräumen mit all diesen Leugnern, Verweigerern und Hetzern. Aufräumen mit den Demokratiefeinden, den Ewiggestrigen, dem rechten Pack und den Aufrührern. Den Nörglern, Besserwissern und Verschwörungstheoretikern, die nichts anderes im Sinn haben, als die Demokratie zu zerstören und Deutschland wieder in die finstersten Zeiten zurück zu führen.
Max findet, es wird da viel zu wenig gemacht – der Staat ist da viel zu tolerant: Warum dürfen diese Leute überhaupt noch in den Medien präsent sein? Weg mit denen! Einsperren! Da muss man klare Haltung zeigen: Wenn sie meinen, dass ihnen unsere freiheitliche Demokratie nicht passt, dann sollen sie doch gehen! Aber wenn sie bleiben, haben sie keine Gnade zu erwarten. Weg mit den Hetzern! Mit Stumpf und Stiel sollte man diese Bande ausrotten. Max meint, er sei zwar ein toleranter Mensch, aber diese Leute haben nun wirklich kein Recht auf Toleranz, weil sie von Grund auf böse sind, und eine Bedrohung für unsere freiheitliche Demokratie darstellen.
Umweltschutz ist für Max und seine Freundin äußerst wichtig. Denn was könnte wohl wichtiger sein? Nicht nur, dass sie akkurat den Müll trennen, Biogemüse kaufen und Vegetarier sind – nein, sie fahren beide auch E-Autos. Die sehen schick aus, sind flott in der Stadt und wenn man immer daran denkt, sie rechtzeitig aufzuladen, dann passt es auch mit der Zuverlässigkeit. Dass es, wie immer, mal wieder Miesmacher und Besserwisser gibt, die darauf hinweisen, welche Umweltverbrechen bei der Herstellung und Entsorgung der notwendigen Batterien und Halbleiterbauelemente sowie der Erzeugung des Ladestroms begangen werden, ficht Max nicht an.
Auch nicht das Lamento über die massenweise wegfallenden Arbeitsplätze und die Abwanderung der Industrie ins Ausland kann ihn irritieren: Das sind alles nur Ausreden. Nichts kann auch nur annähernd so schlimm sein, als dass es die Verwendung von Verbrennungsmotoren rechtfertigen würde - Verbrennungsmotoren, die giftige Abgase entwickeln, laut sind und stinken! Die an der Klimaerwärmung mit schuld sind! Der Inbegriff der Industrialisierung und Umweltzerstörung! Das geht ganz klar aus den publizierten Expertenmeinungen hervor. Wer hier widerspricht, muss verblendet sein oder unlautere Absichten hegen! Aber es gibt ja eh immer diejenigen, die etwas am Fortschritt auszusetzen haben – die üblichen Ewiggestrigen und Verschwörungstheoretiker, mit denen man es allenthalben zu tun hat. Wirklich: Davon gibt es echt zu viele, meint Max und schlägt mit der Faust auf den Tisch.
Große Reisen machen Max und seine Freundin nicht mehr: Man trifft sich mit den Verwandten lieber online – das ist umweltfreundlicher, weil man kein energiefressendes Vehikel benutzen muss – und man hat seine gewohnten häuslichen Annehmlichkeiten. Nur wenn es zum jährlichen Urlaub kommt: Da werden schonmal Bus, Bahn oder Flugzeug genommen. Aber das „eine Mal im Jahr“ – da springt auch Max einmal über seinen Schatten. Dass Max in einer Wohnung wohnt, wo er keine Möglichkeit hat, Strom mit Solarzellen auf dem Dach oder einem Windrad im Garten zu erzeugen, wurmt ihn. Er hat immer ein schlechtes Gewissen, wenn er den Stecker in die Steckdose steckt, um sein Handy oder E-Auto zu laden.
Max ist ein aufmerksamer Zeitgenosse: Ob auf der Arbeit oder privat – immer hält er, als aufrechter und moralisch der Demokratie verpflichteter Staatsbürger, Ausschau nach Dissidenten, Hetzern, Leugnern und was dergleichen Individuen sich noch so herumtreibt. Und wenn er jemanden ausfindig macht, weiß Max, was er zu tun hat: Er muß die Demokratie verteidigen!
Seine Freundin machte sich deswegen schon lustig über ihn: „Das ist doch lächerlich!“ Max wurde daraufhin so ungehalten, daß er seine Freundin beinahe aus seiner Wohnung geschmissen hätte. Sie immer mit ihrem „Verständnis für Kinder und Verrückte“ wetterte er. Nein – gegen Gefährder ist Nachlässigkeit keine Option, erklärte er ihr, deutete auf einen Ordner mit den Ergebnissen von rund zwanzig Anzeigen, die er wegen Hass und Hetze gegen diverse Personen erstattet hatte, und verbat sich weitere Kritik. Auch als zwei seiner Kollegen entlassen wurden, weil er der Personalabteilung gemeldet hatte, dass sie verfassungsfeindliche Äußerungen getätigt hätten, belastet ihn nicht: „Im Dienst für die gute Sache, müssen auch Opfer in kauf genommen werden.“ Verkündet Max, und würde sich am liebsten selber einen Orden verleihen.
Max ist korrekt. Politisch korrekt. Eine eigene Meinung ist ein Luxus, der einen teuer zu stehen kommen kann, lautet eine seiner Devisen. Zumal eine eigene Meinung zu nichts nütze ist: Was man wissen muss, das wird einem mitgeteilt, und wo es lang geht sowieso. Denn transparenter und ehrlicher, wie es die Regierung und die Qualitätsmedien handhaben, geht es schon gar nicht mehr. Also wozu eine eigene Meinung? Da läuft man nur Gefahr, sich auf irgendwelche Irrwege zu begeben, verkündet Max mit mahnend erhobenem Zeigefinger.
Max hat ein gutes Gewissen. Er schläft tief und zufrieden – was kann man schon besser machen als er? Sicher: Er ist nicht so erfolgreich wie manch Karrierist – aber auch nicht so erfolglos wie viele Versager. Bei diesem Gedanken fängt es in Max an zu kochen: Es ist eine Schande, wie viele Menschen zu faul und zu dumm waren, einen ordentlichen Beruf zu ergreifen, und ihren Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Denn jetzt sind sie faule Parasiten, die sich auf der Arbeitsleistung anderer ausruhen! Rechtschaffene Bürger wie Max gehen jeden Tag anständig zur Arbeit, zahlen ihre Steuern und geben sich Mühe, produktive Mitbürger der Gesellschaft zu sein. Und was machen die anderen? Diese faulen Vollversager, Taugenichtse und Sozialschmarotzer? Kassieren ihr Arbeitslosengeld und werden vom Staat gehegt und gepflegt. „Eine Schande ist das!“, donnert Max und drischt mit der Faust auf den Tisch. „Ja: Diese elenden Schmarotzer sollen endlich ihre faulen Ärsche hochschwingen und zum ersten Mal in ihrem Leben etwas richtig machen!“ deklamiert er weiter und schiesst mit seinen Blicken Blitze um sich. „Auf meine Kosten sich durchs Leben mogeln! Soweit kommt’s noch!“ setzt er hinzu und wirft eine zerknüllte Zeitung in die Ecke, deren Hauptüberschrift verkündet, dass der Regelsatz des Arbeitslosengeldes um fünf Prozent erhöht werden soll. „Eine Solidargemeinschaft lebt vom Beitrag aller – wer nichts beiträgt, der gehört ausgesondert.“ erklärt Max mit herrischer Geste in Feldherrnpose und lässt sich schwer auf sein finanziertes Ledersofa fallen. „Arbeitslose sind nur zu faul zum Arbeiten.“ sinniert er weiter. Dann klaubt er die Zeitung vom Boden auf und wedelt mit den aufgeblätterten Stellenanzeigen herum: „Hier! Arbeit ohne Ende! Stellen noch und nöcher! Und diese faulen Halunken behaupten, es gäbe keine Arbeit!“ Dann schüttelt er wieder den Kopf und verkündet mit Leichenbittermiene: „Die Welt ist verrückt – und ich mittendrin.“
Max ist ein mustergültiger Staatsbürger: Seine Akten sind sauber, er ist nie aufgefallen, seine Wohnung ist vorbildlich geordnet und sauber, sein Arbeitsplatz komplett durchorganisiert und sein Auftreten makellos vom Scheitel bis zu Sohle. Er spricht nur mit klarer, leiser Stimme und hat stets ein freundliches, einnehmendes Lächeln parat. Über Allgemeinplätze wie Fußball, Urlaub oder das Wetter hält er gerne einen kleinen Schwatz und auch online findet seine diskrete Art, Themen zu diskutieren stets Anklang. Max trifft immer den richtigen Ton – er kennt seine Mitmenschen. Und genauso gerne, wie er mit ihnen bedeutungslosen Smalltalk betreibt, notiert und speichert er alles, was seinen Gesprächspartnern Ungehöriges über die Lippen, bzw. die Tastatur kommt. „Alles muß seine Ordnung haben!“ erklärt Max. „Jeder Bürger muß seine Pflicht tun, wenn es gilt, unsere Demokratie zu verteidigen – auch wenn es schwerfällt.“ fügt er schmunzelnd hinzu.
Max ist korrekt. Mit Leidenschaft hegt und pflegt er seine Balkonpflanzen – immer sauber gestutzt und auf den Zentimeter genau beschnitten sind sie eine Zierde der Hausgemeinschaft. Manchmal nervt Max das ständige Aufräumen und Putzen – aber „alles muss seine Ordnung haben“. Da kennt Max nichts. „Und all jenen verkommenen Individuen, die im Unrat und Chaos hausen, müsse man mal die Polizei auf den Hals hetzen, damit sie Zucht und Ordnung lernen“ verkündet Max und drischt mit der Faust auf den Tisch. Es will im nicht in den Sinn kommen, wie ein Mensch überhaupt anders leben kann als er. Und mit anderen Werten. Ein Unding!
Max ist sehr sozial – er spendet gerne mal zehn oder zwanzig Cent, manchmal sogar einen Euro, wenn er an einem Obdachlosen vor dem Supermarkt vorbeikommt. Ein paar Schritte weiter konstatiert er dann: „Da kann man mal sehen, wohin es führt, wenn man nur Fehler gemacht hat. Die haben leider nie begriffen, dass sie ihr Leben selber in die Hand hätten nehmen müssen – und jetzt ist es zu spät. Aber ich bin ja kein Unmensch.“ Max ist sichtlich zufrieden und setzt ein joviales Grinsen auf. Als er ein paar Minuten an einem Schrebergarten vorbei kommt, dessen Hecken offensichtlich schon länger nicht mehr geschnitten wurden, gerät er in Rage: „Verstehe ich nicht! Den müsste man glatt rausschmeißen! Wer seinen Garten so verkommen lässt, der verdient keinen!“
Max ist korrekt. Politisch korrekt. Er ist überzeugter Demokrat und ein freiheitsliebender, toleranter und moralisch einwandfreier Mensch. Ein vorbildlicher Staatsbürger des 21. Jahrhunderts.
EPILOG
Ich kenne Max. Ich kenne hunderte seiner Art. Tausende - Millionen. Egal, ob in ihnen nur 10 Prozent oder 80 Prozent von Max stecken - überall erkenne ich ihn. Und dann höre ich auf, mich zu wundern. Alles erklärt von selbst. Auch eine kranke, durchgeknallte Zeit, in welcher der Irrsinn Methode hat, und der Teufel einen Heiligenschein trägt, den alle bewundern.
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